Start
JoomlaWatch Stats 1.2.9 by Matej Koval
Zum Bericht "Mehrheit fordert Rücktritt"vom 20. August:

Zumutung für Ehrenamtliche Die kircheninteressierte Öffentlichkeit versteht die Kirchenwelt nicht mehr! Warum ist ein Rücktritt des Kirchenvorstands so schwierig, wenn doch Bischöfinnen und Bundespräsidenten selbiges schaffen, um dadurch Klärung und Neuanfang zu ermöglichen? Und wen will das Landeskirchenamt durch seinen unendlichen Zeitaufwand schützen? Die Gemeinde, die Pastoren, die Ehrenamtlichen? Eine Zumutung und Entmutigung für mich als ehrenamtlich Tätige!

GISELA LEONHARDT, LILIENTHAL
© Copyright Bremer Wümme Zeitung Seite: 3 Datum: 27.08.2010

 
Zum Bericht "Mehrheit fordert Rücktritt"vom 20. August:

Die nächste Attacke Das musste man ja erwarten! Am 16. August wurde der neue Pastor in sein Amt eingeführt. Zur Einführung fand die Repräsentantin des Kirchenkreises, Superintendentin Rühlemann, nette Worte für den neuen Pastor Liedtke, und - es wäre nicht nötig gewesen - auch für die Kirchengemeinde Worpswede und deren Gemeindemitglieder. Ich bin mir sicher: Bei den Kirchenbesuchern, die es nicht besser wussten, wurde die Hoffnung geweckt, dass es nun wieder ein friedliches und geordnetes Zusammenwirken geben könnte. Meines Erachtens war der herzliche Willkommensapplaus, den die Kirchenbesucher dem neuen Pastor zukommen ließen, zu einem großen Teil Ausdruck dieser Hoffnung.
Nun kommt heraus, dass bereits im Juli, zunächst geheim gehalten, die nächste Attacke aus dem Kirchenkreis gegen die Kirchengemeinde Worpswede verabschiedet worden war. Ich finde es einfach widerlich, wenn Frau Rühlemann diese "Einlullungsshow" veranstaltet, obwohl sie offensichtlich sehr wohl von dieser nächsten Attacke ihres Kirchenkreises gegen die Kirchengemeinde Worpswede wusste.
Offensichtlich gibt es im Kirchenkreis einige Personen, die besessen sind vom Bestreben, Unruhe in die Kirchengemeinde Worpswede zu tragen. Da stellt der Vorsitzende des Kirchenkreisvorstands, Eckart Richter, möglicherweise als Privatperson Anträge auf Absetzung von Pastor und Kirchenvorstand der Nachbargemeinde mit unbewiesenen Beschuldigungen. Da kritisiert diese "Privatperson" die Landeskirche, da es sich diese erlaubt, die Begründung des Antrags gründlich zu prüfen. Da wird eine Mitgliederversammlung im Kirchenkreis abgehalten, um eine Aufforderung an den Worpsweder Kirchenvorstand zurückzutreten zu verabschieden. All das sind höchst seltene Vorgänge. Der Kirchenvorstand sollte sich davon nicht beeindrucken lassen.

HANS-OTTO HILLEN, LILIENTHAL
© Copyright Bremer Wümme Zeitung Seite: 3 Datum: 27.08.2010

 
Zum Bericht "Mehrheit fordert Rücktritt"vom 20. August:

Verantwortung übernehmen Seit über eineinhalb Jahren kommt die Gemeinde Worpswede nicht zur Ruhe. Grund dafür ist eine Institution, die Ruhe und Menschlichkeit verkörpern sollte - der Kirchenvorstand. Alles hat mit der geplanten Umsetzung von Diakon Heiko Lucht begonnen und dann Ausmaße angenommen, die über Strafanzeigen und Gedächtnisprotokolle bis zur Beurlaubung von ehrenamtlichen Mitarbeitern reichen. Anfangs war es eine kleine Gruppe von Jugendlichen, die am 29. März 2009 nach einem Festgottesdienst auf die geplante Versetzung von Lucht aufmerksam machten. Danach traten immer mehr Kritiker auf den Plan. Herr Richter war mit seiner Forderung nach Absetzung des Kirchenvorstandes nur die Spitzedes Eisbergs. Sein Antrag liegt acht Monate zurück. Acht Monate, für die sich die Landeskirche mit dem ihr vorstehenden Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen schämen sollte.

Nie hat die Landeskirche den Eindruck vermittelt, dass sie schnell, aber sorgsam zur Aufklärung der Missstände beitragen wollte. Herr Jantzen und seine Gremiumsmitglieder sollten endlich öffentlich eingestehen, dass sie versagt haben. Spätestens jetzt, wo die Kirchenkreis-Konferenz mit überwältigender Mehrheit den Kirchenvorstand aufgefordert hat, seine Ämter niederzulegen, sollte auch Herr Jantzen Stellung beziehen. Wenn Herr Franzke nun sagt, dass er den Kirchenvorstand lange genug geführt hat, kann ich das bestätigen. Viel zu lange! Herr Franzke hat sicher auch Gutes für die Kirchengemeinde gewollt. Dennoch hat er in den ihm übertragenen Aufgaben auf ganzer Linie versagt. Er hinterlässt dem designierten Kirchenvorstandsvorsitzenden Pastor Liedtke einen Scherbenhaufen. Ich wünsche Pastor Liedtke, dass er diesen Scherbenhaufen durch richtige Entscheidungen abbauen kann. Herrn Jantzen in Hannover möchte ich einen Satz der ehemaligen Landesbischöfin Margot Käßmann mit auf den Weg geben: "Christentum ist nicht zuallererst eine Frage von Moral, sondern von Verantwortung!". Übernehmen Sie endlich Verantwortung im Sinne des Ehrenamtes und führen Sie endlich eine Entscheidung herbei!

KAI BAUMANN, BOCHUM,
EHEMALIGER JUGENDKONVENTSVORSITZENDER

© Copyright Bremer Wümme Zeitung Seite: 3 Datum: 27.08.2010

 
Zum Kirchenstreit in Worpswede

Was sie verschweigen, ist noch perfider Ausdrücklich hat die Superintendentin Rühlemann auf dem letzten Kirchenkreistag in Grasberg erklärt, dass das Landeskirchenamt die Vorgänge um die angeblichen Verfehlungen des Worpsweder Kirchenvorstands aufgrund der vom Kirchenkreisvorstand und von Herrn Richter gestellten Anträge sorgfältig untersuche, woraus sich auch die Dauer des Verfahrens ergebe.
Die Superintendentin legte insbesondere Wert auf die Feststellung, dass es nicht um einen Privatkrieg gehe, sondern dass es das Ziel sei, die Zukunft der Gemeinde Worpswede sichern zu helfen und ein gedeihliches Miteinander im Interesse von kirchlicher Gemeinde und Kirche als Ganzem zu erreichen. Ziel sei es, eine solche gedeihliche Entwicklung auf Dauer zu gewährleisten. Es erklärt sich von selbst, dass während des laufenden Verfahrens keine Stellungnahmen abgegeben werden, sondern dass das Ergebnis abgewartet wird. Der bis dahin fungierende Kirchenkreistagsvorsitzende Eckart Richter hat dann in der WÜMME-ZEITUNG vom 29. Mai 2010 die Sache personalisiert und erklärt, er werde von allen Ämtern im Kirchenkreis zurücktreten, wenn der Kirchenvorstand nicht aufgelöst werde. Es heißt seitdem: Der Kirchenvorstand muss gehen oder Herr Richter geht. Alle Beteiligten warten auf das Ergebnis der kirchenamtlichen Prüfung, das sicher in absehbarer Zeit bekannt gegeben wird.
In dieser Situation treten nun die Mitglieder der Kirchenkreiskonferenz unter der Leitung von Superintendentin Rühlemann hervor und verlangen vom Kirchenvorstand einen vorzeitigen Rücktritt. Zur Begründung führen sie an, dass zahlreiche ihrer Mitglieder durch Ereignisse und Entscheidungen, die in der Kirchengemeinde Worpswede ihren Ursprung hätten, so belastet seien, dass sich den aktuell dringlichen Herausforderungen kirchlicher Arbeit nur eingeschränkt widmen könnten. Schon dies erscheint wesensfremd in einer Gemeinschaft, in der ja einer für den anderen da sein sollte. Was sie aber verschweigen, ist noch perfider: Nicht der Kirchenvorstand Worpswede ist bei den verschiedenen Gremien das Thema, das sie belastet, sondern das Verfahren vor dem Landeskirchenamt, das der Kirchenkreis-Vorstand und Eckart Richter eingeleitet haben. Ohne diesen von der Kirchenkreisleitung selbst gewünschten Prozess könnte auch der ehrenamtlich tätige Kirchenvorstand in Worpswede sich mehr seiner kirchlichen Arbeit widmen.

 

JANN LÜNING, WORPSWEDE,STELLVERT. KIRCHENVORSTANDSVORSITZENDER
© Copyright Wümme Zeitung Seite: 5 Datum: 26.08.2010

 
"Ziehe mich nicht aus der Affäre"

Ulf Franzke zum Kirchenstreit
 
Wer, was, wann und wie gesagt und gemeint hat oder auch nicht, darüber gibt es seit Monaten heftigste Auseinandersetzungen im Worpsweder Kirchenvorstand und in seinem Umfeld. Nun hat sich Ulf Franzke, jüngst zurückgetretener Vorsitzender des Worpsweder Kirchenvorstandes, wieder zu Wort gemeldet: Er vertritt eine andere Meinung, als die im Kommentar "Durch die Hintertür" vom 20. August. Franzke widerspricht der Ansicht, dass Pastor Ewald Dubbert auf dem Weg des vorzeitigen Ruhestands aus der Schusslinie genommen worden sei. Franzke: "Pastor Dubbert hat seinen vorzeitigen Ruhestand beantragt. Diesem von ihm gestellten Antrag ist von der Landeskirche stattgegeben worden. Dass er von irgendjemandem aus der Schusslinie genommen wurde, entspricht nicht den Tatsachen." Ebenso wehrt sich Franzke gegen die Meinung, dass er sich mit seinem Rücktritt als Kirchenvorstandsvorsitzer der Verantwortung für den Kirchenstreit habe entziehen wollen. Ulf Franzke: "Ich habe den Vorsitz im Kirchenvorstand abgegeben, bleibe aber weiter Mitglied im Kirchenvorstand, genau aus diesem Grund, weil ich die Verantwortung weiter mittragen und mich nicht aus der Affäre ziehe. Ob ich Fehler eingestehen muss, wird die Prüfung durch die Landeskirche ergeben, deren Ergebnis ich gelassen entgegen sehe."

 

© Copyright Peter Hanuschke

Wümme Zeitung Seite: 1 Datum: 24.08.2010

 
Mehrheit fordert Rücktritt

Hauptamtliche Mitarbeiter im Kirchenkreis: Kirchenvorstand soll gehen
 
 © Copyright Bremer Tageszeitungen AG I © Copyright Bremer Tageszeitungen AG m Juli hat die Kirchenkreis-Konferenz, der Zusammenschluss aller hauptamtlichen Mitarbeiter des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck, über die Lage in Worpswede debattiert. Erst jetzt werden brisante Details aus der Sitzung öffentlich: Zur Abstimmung kam ein Antrag, in dem der Worpsweder Kirchenvorstand (KV) aufgefordert wird, seine Ämter nieder zu legen. Er wurde mit großer Mehrheit angenommen. Superintendentin Jutta Rühlemann mag diesen Sachverhalt nicht kommentieren: Bei den letzten Sitzungen der Konferenz sei absolutes Stillschweigen vereinbart worden. Trotz drohender Dienstaufsichtsbeschwerden sickerte aus zuverlässigen Quellen durch, dass sich die rund 30-köpfige Versammlung bei nur einer Gegenstimme für die Aufforderung zum Rücktritt entschieden hatte. Ein Akt, der mehr noch als das von Eckart Richter in Gang gesetzte Auflösungsverfahren äußersten Seltenheitswert in der Landeskirche hat.

Rühlemann widerspricht vehement dem Verdacht, mit der Entsendung von Pastor Kurt Liedtke nach Worpswede und dem Rücktritt Ulf Franzkes vom Vorsitz des KV seien Vorentscheidungen im schwebenden Verfahren zur Auflösung des Gremiums gefallen: "Die Landeskirche ermittelt weiter und wird dieses Verfahren in der dafür notwendigen Zeit zum Abschluss bringen." Diese Ansicht teilt Eckart Richter nicht. Der Vorsitzende des Kirchenkreistags, der dieses Amt zurzeit ruhen lässt, erklärt gegenüber dieser Zeitung: "Es ist natürlich der Auftrag der Landeskirche, gründlich und ausführlich zu recherchieren, aber es ist auch ihre Verpflichtung, zu reagieren und Entscheidungen nicht auf die lange Bank zu schieben." Das nächste Treffen, bei dem es erneut um die Vorgänge auf dem Worpsweder Kirchberg gehen wird, ist der Kirchenkreistag. Er kommt am 15. September in Hambergen zusammen.
Unterdessen hat Ulf Franzke zu seinem zumindest für die Öffentlichkeit überraschenden Rückzug vom Amt des Vorsitzenden des KV Stellung bezogen. Innerhalb des Gremiums sei lange bekannt gewesen, dass er sein Amt zur Verfügung stellen wollte, sobald ein neuer Pastor nach Worpswede kommen werde, sagt Franzke. "Ich habe das Amt lange genug ausgeübt und den Kirchenvorstand auch durch schwierige Zeiten geführt", erklärt der umstrittene Kirchenmann spürbar gelöst.
Amtsmüdigkeit oder gar Eingeständnisse von Fehlern seien keinesfalls ursächlich. Er freue sich, wieder mehr Zeit für Hobbys und Privatleben zu haben, sagt der Unternehmer.
Eine Signalwirkung in Richtung Osterholz-Scharmbeck verspricht sich Franzke allerdings doch: "Ich hoffe, dass der Kirchenkreis jetzt wieder offener auf den KV zugehen kann." Dass der Gemeinde-Pfarrer gleichzeitig den KV-Vorsitz inne hat, ist zwar mittlerweile nicht mehr in der Kirchenordnung festgeschrieben, wird aber in der großen Mehrheit der Gemeinden in der evangelisch-lutherischen Kirche so gehandhabt.
Das soll nun auch in Worpswede praktiziert werden. Am Montag, 30. August, tagt der KV und wird seinen Vorsitz neu bestimmen. Unumstritten ist, dass Pastor Liedtke den Posten des Vorsitzenden übernimmt. Sein Stellvertreter wird dann aus den verbleibenden elf weiteren Mitgliedern gewählt. Ulf Franzke schloss eine Kandidatur kategorisch aus, will aber weiterhin Mitglied im KV bleiben.

© Copyright Lars Fischer

Wümme Zeitung Seite: 1 Datum: 20.08.2010

 
Durch die Hintertür

KOMMENTAR VON LARS FISCHER
 
Überraschend ist der Zeitpunkt des Rücktritts von Ulf Franzke vom Vorsitz des Kirchenvorstands in der Worpsweder Zionsgemeinde. Die Form aber passt zum bisherigen Verlauf des Konflikts. Es ist eine Hintertür, durch die eine Reizfigur die Bühne verlässt. Vehement wird immer wieder ein Rückzug des gesamten Kirchenvorstands (KV) von verschiedener Seite bis hin zum Kirchenkreistags-Vorsitzenden gefordert. Der KV lehnte stets ab mit dem Hinweis, man habe sich nichts vorzuwerfen.
Zuerst wurde Pastor Dubbert auf dem Weg des vorzeitigen Ruhestands aus der Schusslinie genommen. Ulf Franzke folgt diesem Beispiel, indem er seine Position für den neuen Pastor räumt. So muss er keine Verantwortung übernehmen oder Fehler eingestehen, sondern kann sich unter dem Deckmantel persönlicher Gründe aus der Affäre ziehen.
Der Verdacht, die Auflösung des Kirchenvorstands solle nicht von der Landeskirche entschieden, sondern bis zur turnusgemäßen Neuwahl im März 2012 ausgesessen werden, erhärtet sich weiter, solange in Hannover Stillschweigen herrscht. Dass Franzke nun nach dem monatelangen Kleben an seinem Posten geht, ist nachvollziehbar. Zur Versöhnung und zur Überwindung der tiefen Gräben in der evangelischen Kirchengemeinde sind indes klarere Zeichen gefragt.
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

© Copyright Lars Fischer

Wümme Zeitung Seite: 1 Datum: 20.08.2010

 
Pastor gewinnt viele Sympathien

Kurt Liedtke übernimmt nach Einführungsgottesdienst Vorsitz im Kirchenvorstand

 © Copyright Bremer Tageszeitungen AG

Es ist weit vor 10 Uhr. Frauen und Männer im Sonntagsstaat strömen zur Zionskirche. Mensch an Mensch sitzen die Kirchgänger in den Bänken; sie alle wollen den neuen Pastor Kurt Liedtke willkommen heißen. Superintendentin Jutta Rühlemann wird das Amt bei einem Festgottesdienst an den neuen Worpsweder Seelsorger übergeben. Nach dem Festakt wird Liedtke um ein weiteres Amt reicher sein. Ulf Franzke übergibt während des Kirchencafés im Anschluss an den Gottesdienst den Vorsitz des Kirchenvorstandes an den neuen Pastor. Damit liegen Pfarramt und Vorsitz des Kirchenvorstands in einer Hand - laut Franzke etwas Neues in Worpswede.
"Zur Begrüßung von Pastor Liedtke bitte ich die Gemeinde, aufzustehen", eröffnet Küster Michael-Hubert Ludwig das feierliche Ritual. Durch das Menschenspalier
ziehen Kurt Liedtke, Superintendentin Jutta Rühlemann und der Kirchenvorstand der Zionsgemeinde in die Kirche ein, begleitet von Querflöten- und Orgelklängen.
Nach Liedtkes Begrüßung durch den Kirchenvorstand übernimmt Rühlemann die Regie. Sie geleitet durch die Liturgie und spricht für den Kirchenkreis Osterhol
z. "Es ist gut, dass diese Gemeinde wieder einen Pastor hat, der die seelsorgerischen Aufgaben der Gemeinde wahrnehmen kann", betont sie und, dass es gut sei, dass Liedtke "diese Aufgabe im Sinne eines Zugehens auf die Gemeinde beschreibt und angekündigt hat, dass sein Ziel auch das geduldige Zuhören und Verstehenwollen ist." Rühlemann: Pastor ist kein Magier Für die Neubesetzung der Pastorenstelle haben sie als Superintendentin und der Kirchenkreisvorstand "konstruktiv und im Sinne der Gemeinde mitgewirkt"; das erklärt die Superintendentin. Eines hebt sie an dieser Stelle besonders hervor: "Zu keinem Zeitpunkt - auch wenn Anderes behauptet wird - habe ich versucht, die Entsendung eines Pastors in Ihre Gemeinde zu verhindern." Als Kirchengemeinde mit vielfältigem Engagement beschreibt Rühlemann die Worpsweder Gemeinde. Sie hebt deren hohe Bereitschaft, Kirche und Gemeinde gestalten zu wollen, hervor.
"Darunter sind sehr unterschiedliche Ansätze, Überzeugungen und Glaubensgehalte", gibt sie dem neuen Pastor mit auf den Weg. Die Gemeindemitglieder mahnt sie: "Denken Sie daran: Ihr Pastor ist kein Magier, der mit einem Zauberspruch alles zu lösen vermag." Wenige Minuten später gewinnt Liedtke - nur die Bibel in der Hand - mit einer frei gesprochenen Predigt die Herzen der Gemeindemitglieder. Über die Worpsweder Künstler und die Kunst des Porträtierens führt er sie zu dem Gedanken: "Wir alle sind ein Kunstwerk Gottes". Liedtke nennt die Menschen vor ihm "Kunstwerke, die mitten im Leben stehen". Der Pastor wird als der Mann wahrgenommen, der die Menschen so annimmt, wie sie sind, als bodenständig und natürlich - das wird in Gesprächen beim Kirchenkaffee deutlich.
Rühlemanns Satz: "Pastor Liedtke, es ist gut, dass sie da sind" schließen sich viele an, seien es die Mitarbeiter der Kirchengemeinde oder beispielsweise Manfred Nienstedt, der Vorsitzende des Schützenvereins Worpswede. "Es ist sehr schön für die Gemeinde nach diesen Querelen, dass wieder ein Pastor im Ort ist. Dieses leidige Thema hat alle in der Gemeinde belastet." Nienstedt hofft, dass nun Ruhe in der Gemeinde einkehrt. "Es gibt weiterhin schwebende Verfahren", erklärt indes Rühlemann, und sie sagt, dass die Kirchengemeinde vor großen Herausforderungen stehe.

Ulf Franzke, der während des Gottesdienstes Liedtke die Beauftragungsurkunde vom Bischofsvikar Hannover, Hans-Hermann Jantzen, übergeben hat, nutzt das Zusammensein beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst, um den Vorsitz des Kirchenvorstandes an Pastor Kurt Liedtke zu übergeben. Das sei abgesprochen, versichert er auf Nachfrage und, dass es bei der nächsten Kirchenvorstandssitzung die formelle Wahl geben soll. Franzke kommentiert seine Entscheidung: "Ich habe das Amt mehrere Jahre ausgeübt". Dabei habe es auch schwierige Phasen gegeben. "Nun freue ich mich, wieder mehr Zeit zu haben."


© Copyright Undine Zeidler

Wümme Zeitung Seite: 2 Datum: 16.08.2010

 
Pilger, Paddler und Problemlöser

Pastor Kurt Liedtke wollte nach Worpswede - trotz massiver Konflikte / Morgen Einführungsgottesdienst

 

 © Copyright Bremer Tageszeitungen AG

Die kleine hölzerne Pforte zum Pfarrhaus steht weit offen. Wärmende Sonnenstrahlen lugen über die Mauern der Zionskirche. Der neue Pastor tritt aus seinem Garten und sieht sich um. "Drinnen stehen überall Umzugskartons. Wir sind noch nicht dazu gekommen, alles auszupacken. In den ersten sieben Tagen musste ich gleich drei Beerdigungen vorbereiten", erzählt Kurt Liedtke über seinen Einstieg in Worpswede. Seit Anfang des Monats hat der promovierte Theologe aus Hannover die bis dahin vakante Pfarrstelle der Zionsgemeinde inne.

Er tritt die Nachfolger Pastor Ewald Dubberts an, der im April dieses Jahres von seiner Kirchengemeinde und von der Hannoverschen Landeskirche in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet worden war. Am morgigen Sonntag, 15. August, wird Pastor Liedtke ab 10 Uhr offiziell von der Zionsgemeinde während des Gottesdienstes begrüßt. Dabei wird er seine erste Predigt halten. "Nicht von der Kanzel herab. Ich werde vor der Gemeinde stehen", verrät er. Für Pastor Liedtke ist das ein Signal an die Gemeinde, dass "Kirche insgesamt demokratischer" geworden sei und dass vor Gott alle gleich seien.
Kurt Liedtke ist nicht zufällig in Worpswede. "In der schwierigen Situation, in der sich die Worpsweder Gemeinde befindet", sei es aus Sicht der Landeskirche wichtig, "die vakante Pfarrstelle in Worpswede schnell mit einem erfahrenen Seelsorger zu besetzen", unterstrich jüngst der neue Landessuperintendent des Sprengels Stade, Hans Christian Brandy, in einer Presseerklärung. Kurt Liedtke ist so ein erfahrener Mann. Aber, und darauf legt er großen Wert: Er ist nicht nach Worpswede entsandt worden. "Ich wollte hierher", macht er deutlich. "Aus persönlichen Gründen" und weil es "spannend" sei.
Nach Angaben von Sonja Domröse, Sprecherin des Sprengels Stade, war Liedtke zuvor 24 Jahre Pastor in den Kirchenkreisen Verden, Northeim und Hannover. Ein Mann mit Erfahrung. Vater von drei Kindern. Elternzeiterfahren. Er ist Koordinator und Seelsorger, Pilger, Paddler und Pastor. Und Manager - während einer Gemeindezusammenlegung in Mühlenberg-Ricklingen bei Hannover. Ein Mann, der Probleme löst und der für eine "neue innerkirchliche Kommunikation" steht. Während seiner Doktorarbeit in Würzburg, Anfang der 80er Jahre, beschäftigte sich Liedtke mit dem Religionspädagogen Ernst Lange, dessen theologisches Denken unter anderem von der Frage geprägt war, wie sich die Glaubwürdigkeit Gottes in der Welt erweisen könne. Die Kirche müsse sich auf das Leben und die Wirklichkeit der modernen Welt einlassen, so lautet Langes Botschaft. Ein Gedanke, der auch für Pastor Liedtke zum Leitfaden seines persönlichen und erwerbstätigen Lebens wurde.
Liedtke vertritt klare Positionen Kurt Liedtke vertritt klare Positionen. Auch in der mit aller Härte ausgefochtenen Auseinandersetzung in der Gemeinde - die als Streit über die Jugendarbeit begann und inzwischen zu einem Rechtsstreit ausgewachsen ist: "Ich stecke da jetzt schon mit drin. Ich bin auf der Leitungsebene verantwortlich für das, was der Kirchenvorstand macht." Und es müsse schon schwerwiegend sein, wenn sich das Landeskirchenamt mit solchen massiven Vorwürfen auseinandersetzen müsse, sagt Liedtke.
Seit Monaten prüfen Juristen der Landeskirche den Antrag auf Auflösung des Kirchenvorstandes der Worpsweder Zionsgemeinde "mangels gedeihlichen Wirkens". Gestellt wurde dieser Antrag von Eckart Richter, Kirchenvorsteher im benachbarten Pennigbüttel, Vorsitzender des Kirchenkreistags und Mitglied der Landessynode. Dieser erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kirchenvorstand und verlangte auch die Versetzung von Liedtkes Vorgänger, Pastor Dubbert.
Liedtke analysiert den Konflikt sachlich: Er habe sich ganz bewusst im Vorfeld nicht mit dem Streit befasst. Ihm sei keine Frist bekannt, binnen der die Hannoversche Landeskirche den Fall abschließend beurteilen werde. Auch wisse er nicht, ob Eckart Richter seine Anschuldigungen als Privatperson oder als Vertreter eines Gremiums erhoben habe.
"Ich möchte die Menschen hier kennen lernen, die diese Gemeinde ausmachen", sagt Liedtke. Für ihn zähle die Information aus erster Hand, unterstreicht er. "In der letzten Woche habe ich durch Zufall in der Bildzeitung den Titel ,Zoff-Gemeinde hat neuen Pastor' wahrgenommen." Liedtke schüttelt den Kopf. Das müsse man sich mal vorstellen, was das für Wellen geschlagen habe, bis so etwas in der Bild-Zeitung lande. So ein Konflikt sei zunächst meist eine Sache von "Ungeschicklichkeiten und Empfindlichkeiten" - solange kein schwerwiegender Regelverstoß vorliege, räumt Liedtke ein. In bestimmten Situationen bausche sich ein Konflikt auf und manifestiere sich gerade durch solche Äußerungen in der Presse.
Er sei nicht gekommen, um ein Urteil zu fällen, unterstreicht Liedtke. Er sitze zwischen den Stühlen, und das verschaffe ihm eine gewisse Freiheit. Bislang habe er ausschließlich positive Erfahrungen in der Gemeinde gemacht. Er wolle die unterschiedlichen Positionen bewusst wahrnehmen, nichts unter den Tisch kehren und den Menschen gut zuhören. Verschiedene Positionen zusammenzuführen sei immer ein Spagat, meint der sportliche Pastor. "Darin bin ich geübt." Zunächst ständen Gespräche mit verschiedenen Gremien, aber auch einzelnen Gemeindemitgliedern an.
Auch mit Pastor Dubbert habe er bereits das Gespräch gesucht. Er freue sich sehr auf seine Arbeit und auf seine Predigt am Sonntag. Darin wird es um die Frage gehen, wie der Mensch Gott begegnen kann. "Es geht darum, dass wir nichts vorweisen müssen. Mit leeren Händen dazustehen, ist vielleicht sogar die richtige Haltung."

 

© Copyright Petra Scheller

Wümme Zeitung Seite: 1 Datum: 14.08.2010 

 
 


Besucher

heute: 3
diese Woche: 236
dieser Monat: 115
Total: 32229



Newsletter

Immer auf den neuesten Stand bleiben? Einfach in unseren Newsletter eintragen!